Sebastian Klawiter

Sebastian Klawiter is based in Munich. He produces architecture, installations, furniture and processes. Participative in his approach he designs and researches in various constellations, on different scales at the intersection of architecture, urban planning, craft and art. Since 2016, he has been working in research and teaching at various universities. In 2019/20, he was  appointed as guest professor at Stuttgart State Academy of Art and Design Stuttgart (@abkstuttgart) and was a fellow at Akademie Schloss Solitude(@akademiesolitude) 2021.

Currently, Sebastian teaches at the Academy of Fine Arts in Munich and the Technical University of Munich (@architecture.tum)

Forschung Ressource Ländlicher Raum | Perspektiven auf und im ländlichen Raum | Uni Stuttgart | 2017

 

Im Rahmen des Forschungsfelds „Ressource Ländlicher Raum“ beschäftigen wir uns mit den Perspektiven auf und den Potenzialen im ländlichen Raum in Baden-Württemberg. In verschiedenen Teilprojekten loten wir die Beziehung und Wechselwirkungen zwischen Stadt und Land aus und versuchen Rollenmuster, Begabungen und Grenzen herauszuarbeiten. Hierzu ist es notwendig zu hinterfragen was hinter den Begriffen Stadt und Land steht und deutlich zu machen, dass die Definitionen je nach Perspektive des Fragenden andere sein werden.

 

Dieses Teilprojekt beschäftigt sich mit der Perspektive auf den ländlichen Raum und den Bildern, die darüber kommuniziert werden am Beispiel der Region Heilbronn-Franken. Vier Ortschaften wurden hierzu ausgewählt und an Hand der gleichen Methodik erfasst und bereist. Durch diese experimentelle Raumwahrnehmung möchten wir die Bilder, welche über einen Ort vermittelt werden mit jenen der Realität vor Ort überlagern.

 

Trotz aller Renaissance der Städte ist der ländliche Raum in den letzten Jahren wieder verstärkt ein Sehnsuchtsort geworden. Ursprünglichkeit, Ruhe, Abgeschiedenheit, einfache Lebensweise und Ortsverbundenheit werden projektiert. Der Zeitschrif-tenmarkt liefert die passenden Bilder und Geschichten in immenser Auflage mit Leserschaft aus dem urbanen wie auch ruralen Kontext. Auch das regionale Marketing vermittelt idyllische Ort- und Landschaften mit unverwechselbarer Identität. Können diese Bilder in der Realität wiedergefunden werden? Welche Situation zeigt sich in den Orten räumlich, funktional wie auch atmosphärisch? Welche Typologien und Ästhetik wird produziert?

 

Um Antworten auf diese Fragen zu finden, begaben wir uns auf eine Expedition in den ländlichen Raum der Region Heilbronn-Franken. Für jeweils drei Tage bereisten wir die Orte Widdern, Werbach, Blaufelden und Kupferzell. Ausgewählt wurden diese aufgrund der Landschaftsbildqualität in Kombination mit der zu erwartenden Bevölkerungsentwicklung.

 

Zunächst wurden die Bilder, welche über diese Orte im Internet kommuniziert werden gesichtet. Im Anschluss erfolgte die Bereisung mit der immer glei-chen Vorgehensweise der Erkundung vor Ort. Die Bilder der vorgefundenen Situationen wurden mittels Fotografien erfasst. Ergänzend hierzu wurden die Orte der höchsten Funktionsdichte und Kommunikationsfrequenz in jedem Ort erkundet. Die beiden Perspektiven der Außenwirkung über die Medien und der realen Raumerfahrung lieferten sehr interessante Erkenntnisse über Wunsch und Wirklichkeit im ländlichen Raum. Die idyllischen Werbebilder zeigten nur einen kleinen Ausschnitt der gebauten Realität. Vor Ort immer die gleiche Logik: verfallende Ortskerne umrahmt von immer weiter wachsen-den Einfamilienhaussiedlungen und Gewerbegebieten am Rand. Weite Teile der Ortschaften verfügen nicht mehr über unverwechselbare Ortsidentität sondern reproduzieren internationalisierte und kommerzialisierte Codes zu generischen Siedlungen: Schwedenhäuser aus rot lackiertem Holz, Villen im Toskanastil, Bauträgerhäuser mit Wärmedämmverbundsystem, kanadische Blockhausarchitektur und kubistische Gebäude in Anlehnung an die Moderne versammeln sich zu einer austauschbaren und eigenschaftslosen Kakophonie. Das Gleiche gilt für die Gewerbegebiete. Auch hier die immer gleichen Architekturen der Handelsketten und Gewerbebauten umrahmt von großen Parkplätzen und aufmerksamkeitsheischenden Werbeschildern. Ist man auf dem Land oder in der Stadt, in Kupferzell oder Stuttgart – nicht nachvollziehbar.

 

Regionale Bautradition und Bauweisen lassen sich nur noch in den Kernen finden, weiterentwickelt und in die Zukunft gebracht wurden sie nicht. Eine urbanisierte Gesellschaft produziert hier hingegen ein ortsunabhängiges, generisches Lebensumfeld. Highspeed Internet, die Medien und Konsum-konzerne bringen die Welt nach Werbach. Stadt oder Land, der Kontext wird zur Kulisse. Orte der Gemeinschaft sind nicht mehr der Dorfplatz und der Dorfbäcker sondern die Autobahnraststätte an der A6 und der Großbäcker im Supermarkt mit Bestuhlung auf dem Parkplatz.

 

Es stellt sich nun die Frage wie mit dieser Diskrepanz von Wunsch und Wirklichkeit umgegangen wird. Ist der idyllische ländliche Raum mit seinen zugeschriebenen Potenzialen und Werten ein längst vergangenes Wunschbild und wird somit zum Mythos? Reicht die mediale Reproduktion davon durch Bilder um die Bedürfnisse zu befriedigen und braucht es gar keine bauliche Entsprechung mehr? Diese Fragen müssen diskutiert werden. Handlungsbedarf zeigt sich im Umgang mit den Ortszentren. Sie sind die Verlierer dieser Entwicklung. Gering genutzte oder leerstehende Wohngebäude, aufgelassene Hofstellen und geschlossene Ladengeschäfte prägen das Bild. Welche Rolle haben sie in Zukunft? Wer möchte hier wie leben und arbeiten? Braucht es die alten Gebäude noch oder braucht es einen radikalen Neuanfang? Werden sie zu Kulissen und musealisiert oder können sie weiterhin aktiver Teil des Alltags sein? Auch diese Fragen bedürfen einer offenen Diskussion, die wir gerne anstoßen wollen.

 

Forschungsprojekt der Universität Stuttgart SI Städtebau-Institut Lehrstuhl für Stadtplanung und Entwerfen Prof. Dr. Martina Baum Sebastian Klawiter

Hanna Noller

sebastian klawiter ländlicher Raum uni Stuttgart städtebau institut martina baum
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Reallabor Spacesharing | 24 h Echtzeitexperiment | 2015

 

Nutzungsintensivierung von Gebäudebestand durch Mehrfachnutzung und dynamische Programmierung

 

An der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart werden unter Leitung der Fachgruppe Architektur seit Januar 2015 mit dem über drei Jahre angelegten Forschungsprojekt „Reallabor Space Sharing“ neue Konzepte für die Steigerung der Nutzungsintensivierung von Gebäuden in städtischem Kontext entwickelt und umgesetzt.

 

Der Forschungsansatz des Reallabors Space Sharing setzt sich intensiv mit dem Begriff der Nachhaltigkeit auseinander, der eng mit dem Ressourcenbedarf einer Gesellschaft und damit mit der Ressourceneffizienz verbunden ist. Die Entwicklung der letzten Jahrzehnte zeigt, dass in städtischen Wachstumsregionen wie Stuttgart die umbauten Volumen und Nutzflächen zunehmen, während die Nutzungsdichte sinkt. Ziel des Projektvorhabens ist es, Raumnutzungen des Gebäudebestands mit dem bestehenden Bedarf heterogener Akteure räumlich zu kombinieren und somit die Nutzungseffizienz von Gebäuden in städtischen Zentren zu steigern.

 

Für den offiziellen Start der baden-württembergischen Reallabore organisierten wir in Zusammenarbeit mit Antonia Terhedebrügge, Lorenz Boigner, Meret Boss, Hanna Noller, Ute Müller-Schlösser, Sarah Baumann, Nike Mack, Samuel Schmidt, Malte Bösche, Aaron Schirrmann, Anna Gohmert, Swing Bohéme Orchestra, Sabrina Karl, Phillip Günthner, und vielen mehr auf der eintägigen Auftaktveranstaltung “BaWü-Labs GO! Start der Reallabore in Baden-Württemberg” am 30. April 2015 das 24h Echtzeitexperiment.

 

Forschungsprojekt der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart
Fachgruppe Architektur
Prof. Matthias Rudolph

Prof. Mark Blaschitz (bis 06/2018)
Prof. Fahim Mohammadi (von 10/2015 bis 06/2018)
Prof. Andreas Quednau 

Sebastian Klawiter Reallabor 24 Experimant Spacesharing Kunstakademie Stuttgart
Sebastian Klawiter Reallabor 24 Experimant Spacesharing Kunstakademie Stuttgart
Sebastian Klawiter Reallabor 24 Experimant Spacesharing Kunstakademie Stuttgart
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